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Mythos Wirklichkeit
So oder so ähnlich

Ich sage nein. 

Zu dem Widersprüchlichen.


Nein, zu allem, was vage ist.

Ich entsage der unreinen Vieldeutigkeit. 

Ich beende das Nichtzuordnende.

Fürchte mich vor dem Nichtklärbaren.

Und finde Heil in dem ursprünglich Reinen.

Erzählstrategien der Gegenwart wirken auf uns, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. „Authentizität“ ist dabei ein Begriff, der heute wichtiger scheint denn je: Eindeutig lesbar zu sein wird als Tugend angesehen, Ambivalenz und Vieldeutigkeit hingegen empfinden wir meist als unangenehm. Die Medien stellen weiterhin unsere Verbindung mit einer vieldeutigen, überkomplexen Welt dar, denn jenes, was wir selbst nicht erleben können, wird uns berichtet und gedeutet, in Schrift, Wort und Bild. Wir vertrauen diesen Berichten und formen unsere Vorstellung der Welt nach ihnen. Doch schließt sich Mythos und Wirklichkeit zwangsläufig aus? Der Fall des ehemaligen Spiegel Reportes Claas Relotius, der über Jahre hinweg Reportagen teilweise oder gänzlich erfand und verfälschte, lässt uns unseren Anspruch an die Wahrheit überdenken. Warum wollen wir unbedingt Geschichten glauben, die zu schön sind, um wahr zu sein und warum bevorzugen wir einfache Antworten auf komplexe Fragen?

 

In So oder so ähnlich soll ein Lob auf die Vieldeutigkeit und Vielschichtigkeit unserer Realität der Sehnsucht nach einfachen Geschichten, nach klaren Positionen gegenübergestellt werden. Wir setzen die Lupe an und lesen zwischen den Zeilen, um besser zu verstehen, wie die Welt, in Wort und Bild gesetzt, für uns erst zur Wirklichkeit wird.

So oder so ähnlich ist die Diplominszenierung von Jonathan Heidorn und eine Kooperation vom Staatstheater Hannover und dem Thomas Bernhard Institut der Universität Mozarteum Salzburg.

Eingeladen zum Körber Studio Junge Regie 2022.

Text: Jonathan Heidorn & Melanie Hirner

Regie, Sound Design: Jonathan Heidorn 

Dramaturgie: Melanie Hirner 

Bühne, Video: Thorben Schumüller

Kostüm: Sarah Meischein 

Schauspiel: Nils Rovira-Muñoz, Caroline Junghans, Philippe Goos

 

Premiere: 4. Juni 2021, Ballhof 2, Schauspiel Hannover

Fotos: Isabel Machados Rios